Lehrer & Pädagoge → IT & Support → Trainer & Berater → CRM & Projekte → Organisation & Einkauf → Medien, Schreiben & Vermitteln → ?

Viele Stationen. Ein roter Faden.

Für mich waren es weniger Wechsel als Abzweigungen.
Aus jeder Station habe ich etwas mitgenommen, das ich später an anderer Stelle wieder gebrauchen konnte.
Pädagogik half mir in der IT, IT-Erfahrung in der Beratung, Beratung beim Organisieren – und die Fähigkeit, komplizierte Dinge verständlich zu machen, eigentlich überall.

Wenn man die Stationen meines Weges einfach untereinander schreibt, sieht das zunächst nach einigen Richtungswechseln aus.
Schule, Bank, IT, Software, Beratung, Organisation, Einkauf, Medien und Projekte – nicht unbedingt die klassische Karriereleiter.

Nichts davon war umsonst. Vieles davon begegnet mir heute wieder.

Geradeaus ging es eigentlich schon damals nicht.

Als Kind konnte ich stundenlang im Hinterhof sitzen und Ameisen beobachten.
Garten gab es keinen. Das war ein typischer Hinterhof der 60er Jahre: viel Beton und offene Garagenstellplätze unter Eternitplatten. Ein Auto stand von uns dort allerdings nie – dafür war schlicht kein Geld da.

Aber auch auf Beton gab es für mich genug zu entdecken.
Ich beobachtete die Ameisen, folgte ihren Wegen und probierte aus, wie sie auf kleine Veränderungen reagierten.

Überhaupt wollte ich ziemlich früh wissen, wie Dinge funktionieren.
Als jüngstes von vier Kindern nervte ich meine Schwestern so lange, bis sie mir Buchstaben und Lesen beibrachten.
Als ich eingeschult wurde, konnte ich bereits Zeitung lesen.

In der Grundschule war ich eher ruhig, ziemlich neugierig und an erstaunlich vielen Dingen interessiert. Mathematik und Sport gehörten nicht unbedingt zu meinen großen Leidenschaften.
Dafür mochte ich besonders den Heimat- und Sachunterricht.

Dort ging es um Fragen, die mich wirklich interessierten:
Warum schwimmt etwas – oder geht unter? Wie entstehen Jahreszeiten? Was ist Magnetismus? Woher kommen Wolken?

Nach vier guten Grundschuljahren führte mein Weg ziemlich selbstverständlich auf ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium.

Dort blieb ich zehn Jahre- andere brauchten neun.

Das hatte Gründe.
Einer davon lag am Rand von Rastatt.

Beim Fußballspielen interessierte mich nämlich häufig mehr, was über dem Platz passierte, als der Ball vor mir.
Wenn ich im Tor zwischen zwei Jacken oder Pullovern stand, beobachtete ich die Segelflugzeuge, die in der Nähe starteten und landeten. Besonders faszinierend fand ich die kleinen Fallschirme, an denen nach dem Start die ausgeklinkten Windenseile zu Boden schwebten.

Irgendwann wollte ich nicht mehr nur zuschauen. Ich setzte mich aufs Fahrrad, fuhr zum Segelflugplatz und fragte, ab welchem Alter man dort mitmachen könne – und natürlich, was das kosten würde.

Die entscheidende Antwort lautete: ab 14.
Beim ersten Flugbetrieb nach meinem 14. Geburtstag stand ich an der Segelflughalle.

Segelfliegen bedeutete dort allerdings keineswegs nur Fliegen.
Bevor einer in die Luft kam, mussten andere am Boden dafür sorgen: Flugleitung, Winde, Seil, Startmannschaft…
Dazu kamen Werkstattabende, Wartung der Flugzeuge und sogar der Bau einer neuen Startwinde.

Ich lernte eine Gemeinschaft kennen, in der Lehrer, Ingenieure, Arbeiter, eine Hebamme und Menschen ganz unterschiedlichen Alters gemeinsam dafür sorgten, dass am Wochenende geflogen werden konnte.
Jeder musste seinen Teil beitragen.

Mit 15 flog ich zum ersten Mal allein.
Plötzlich war ich selbst dafür verantwortlich, ein Flugzeug zu starten, zu fliegen und wieder sicher auf den Boden zu bringen – Jahre bevor ich ein Auto fahren durfte.
Autofahren lernte auf dem abgesperrtem Gelände ab meinem ersten Tag.
Nichts was 4 Räder hatte war vor mir sicher, PKW, LKW, Traktor etc.

Später kamen Theorie, Prüfungen und noch mehr Zeit auf dem Flugplatz dazu.
So viel Zeit, dass die 11. Klasse eine zweite Runde bekam.
Bereut habe ich das nie.

Wer einmal fast lautlos in einer Thermik gekreist ist und dabei einen Mäusebussard neben sich hatte, versteht vielleicht, warum.

Und noch etwas blieb hängen:
Allein kommt beim Segelfliegen niemand in die Luft.
Gemeinschaft, Verantwortung und voneinander lernen waren dort keine theoretischen Begriffe.

Während ich also ziemlich viel Zeit damit verbrachte, in die Luft zu kommen, begegnete mir in der Schule noch etwas anderes, das mich später ebenfalls begleiten sollte: ein Computer.

Im der freiwilligen Computer AG lernte ich den Commodore CBM 8032 kennen.
Programmiert wurde in BASIC.

Ich schrieb darauf unter anderem eine kleine Adressverwaltung.
Rückblickend finde ich dabei weniger bemerkenswert, dass ich sie programmiert habe, sondern wie ich darüber nachgedacht habe.

Der Benutzer sollte nicht erst wissen müssen, welchen Befehl der Computer von ihm erwartete.
Das Programm zeigte ihm seine Möglichkeiten:

Wollen Sie speichern? [S oder s]
Adresse bearbeiten? [B oder b]
Adresse suchen? [F oder f]

Groß- oder Kleinschreibung? Egal.
Damals hätte ich dafür sicher keine Begriffe wie Benutzerführung oder Usability verwendet. Die Idee dahinter war viel einfacher:

Technik sollte sich nicht daran orientieren, was der Computer braucht, sondern daran, was der Mensch damit machen möchte.

Dass dieser Gedanke später einmal zu einem roten Faden meines Berufslebens werden würde, konnte ich damals natürlich nicht wissen.

Nach der Schule hatte ich zeitweise sogar überlegt, das Fliegen zum Beruf zu machen.
Auch eine Bewerbung als Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr ging mir durch den Kopf.

Dann änderte sich mein Leben von einer Nacht auf die andere.

In der Nacht meines 20. Geburtstags starb mein Vater mit 56 Jahren an einem Herzinfarkt.
Ich hielt ihn im Arm, während wir verzweifelt auf das Eintreffen des Notarzts warteten.

Seitdem feiere ich meinen Geburtstag nicht mehr.

Mein Abitur machte ich danach mehr recht als schlecht.
Und dann stand wieder die Frage im Raum: Was jetzt?

Nach 15 Monaten „heimatnahem“ Wehrdienst in Philippsburg schreib ich mich für das Studium „Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Baden-Württemberg“ an der PH Karlsruhe ein.

Schwerpunkt Grundschule – Mein Hauptfach?
Natürlich Heimat- und Sachunterricht.

Die erste Abzweigung kam früh.
Bereits ab dem zweiten Semester studierte ich parallel zum Lehramt für Grund- und Hauptschulen in Baden-Württemberg den Erweiterungsstudiengang Datenverarbeitung/Informatik.

Auch mein erstes Geld an der Hochschule verdiente ich mit Wissensvermittlung: als Tutor, beim Korrigieren von Klausuren, beim Betreuen von Praktika und mit einer Art „Nachhilfe“ in LOGO.

Spätestens bei meiner Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen liefen beide Wege endgültig zusammen.
Im Rahmen meiner Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen (heute würde man sagen Bachelorarbeit) beschäftigte ich mich 1989 mit dem Thema „Lernsoftware im Rechtschreibunterricht“ – also mit der Frage, wie Computer beim Lernen und Vermitteln von Wissen sinnvoll eingesetzt werden können.

Danach folgten Referendariat, zweites Staatsexamen und die Erweiterungsprüfung in Datenverarbeitung/Informatik.

Pädagogik und IT waren für mich nie zwei getrennte Welten. Sie gehörten praktisch von Anfang an zusammen.

Südwestbank Stuttgart · 1991-1998

Bei der Südwestbank wurden aus den Schulkindern erwachsene Lernende.
Statt rund 30 kleinen, saßen nun maximal zehn große „Schüler“, von der Auszubildenden bis zum Vorstand, vor mir.

Als Trainer für EDV-Schulungen war ich dort ausgerechnet in der Abteilung Organisation angesiedelt.
Und so blieb es nicht beim Unterrichten: Betreuerkonzepte, Workshops, die Umstellung auf Lotus Notes, Erstellung von Schulungsunterlagen, Entwicklung projektbezogener Datenbankanwendungen und elektronische Informationssystemen auf Basis Lotus Notes erweiterten mein Aufgabenfeld immer weiter.

Aus dem Lehrer wurde allmählich ein IT-Generalist – ohne dass der Lehrer dabei verloren ging.

GEDYS · 1999–2003 · Entwicklung · Training · Consulting · Presales · Projektmanagement

Nach sieben Jahren Südwestbank führte mich der nächste Weg zu GEDYS, einem Hersteller von Standardsoftware auf der Basis von Lotus Notes – zunächst nach Hennef, später nach Köln.
Aus der internen IT einer Bank wurde die Welt eines Softwarehauses und aus den Kollegen als Anwendern wurden Kunden mit sehr unterschiedlichen Anforderungen.

Eingestiegen bin ich als Notes-Entwickler und EDV-Trainer.
Doch auch hier blieb mein Aufgabenfeld nicht lange in einer Schublade:
Ich entwickelte kundenspezifische Lösungen, konzipierte und hielt Schulungen, plante und leitete Kundenprojekte, führte Workshops durch, nahm Anforderungen auf und prüfte gemeinsam mit den Kunden, was technisch machbar und sinnvoll war.

Im Presales fand ich mich schließlich genau an der Stelle wieder, die mir offenbar liegt:
Vermittler zwischen Technik, Vertrieb und Kunde – verstehen, übersetzen, erklären und daraus eine Lösung machen.

Dann kam 2003 die Insolvenz.
Zum ersten Mal endete ein beruflicher Weg nicht, weil ich mich für eine neue Abzweigung entschieden hatte.
Die Abzweigung wurde für mich gewählt.

2003 · Arbeitslosigkeit · Familie · Vater sein

Nach der Insolvenz von GEDYS folgte zunächst die Arbeitslosigkeit.
Und gleichzeitig passierte im privaten Leben so viel, dass berufliche Karriereplanung plötzlich nicht mehr an erster Stelle stand.

Meine Mutter starb. Meine Frau war schwanger.
Für sie hatten wir drei Jahre Elternzeit beantragt – und bei ihrem Arbeitgeber war ihre Stelle bereits mit einer Ersatzkraft besetzt.
Ein kurzfristiger Weg zurück war damit keine wirkliche Option.

Also lebten wir zunächst von unseren Ersparnissen. Wir lösten sogar eine Lebensversicherung auf und verbrauchten nach und nach das, was wir uns zuvor aufgebaut hatten.

Im September 2003 wurde unser Sohn Tim geboren.

Rückblickend war diese Zeit deshalb nicht einfach nur eine Lücke im Lebenslauf.
Ich war arbeitslos – aber ich hatte etwas, das man sich später für kein Geld zurückkaufen kann: Zeit, als Papa da zu sein.

PCS Kern · Existenzgründung · Train the Trainer

Nach Insolvenz und Arbeitslosigkeit entstand die Idee, nicht einfach auf die nächste berufliche Abzweigung zu warten, sondern selbst eine zu schaffen: PCS Kern – die Private Computerschule für Späteinsteiger und Senioren.

Über die Förderung für Existenzgründer bekam ich die Möglichkeit, mich noch einmal intensiv weiterzubilden.
Der Train-the-Trainer-Lehrgang mit IHK-Zertifizierung ging dabei weit über die Frage hinaus, wie man ein gutes Seminar hält. Kommunikation, kreative Lernprozesse, Trainingsmethoden und Gruppendynamik gehörten ebenso dazu wie unternehmerisches Denken und die Rolle des Trainers als Dienstleister.

Vieles davon ließ sich gleich praktisch anwenden.
Als Kursteilnehmer planten und leiteten wir die unterschiedlichen Unterrichtseinheiten.
Auch hierbei kam mir meine „umfassende Halbbildung“ und die Fähigkeit mich rasch in neue Themen einzuarbeiten und diese Adressatengerecht aufzubereiten zugute.
Dazu kamen die Grundlagen, die ich für meine eigene Selbstständigkeit brauchte – von Organisation bis Buchhaltung.

Daneben kümmerte ich mich um meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Existenzgründerumfeld und stattete sie mit Soft- und Hardware aus oder half bei allen Fragen rund um deren IT.

Wieder trafen sich mehrere meiner Wege:
Technik, Organisation, Wissensvermittlung und die Freude daran, anderen weiterzuhelfen.

Aus dem unfreiwilligen Stillstand war wieder Bewegung geworden – diesmal auf einem selbst gewählten Weg.

H&S · Bonn → Schwabach · 2005

Eigentlich wollten wir aus Bonn gar nicht weg.

Wir waren dort heimisch geworden. Martina hatte sich über PEKIP, Kinderturnen und andere Aktivitäten ein gutes Netzwerk aufgebaut. In Kessenich kannten wir viele Menschen – und viele kannten uns.

Nach unserem Wegzug aus Karlsruhe waren wir im Rheinland angekommen, und mit Tim war dort inzwischen sogar ein kleiner Rheinländer geboren.

Doch schon während meiner Zeit bei GEDYS hatte sich – ohne dass ich es damals ahnte – eine neue Abzweigung vorbereitet.
Bei Schulungen und Workshops lernte ich den Administrator eines kleinen, familiären Unternehmens aus Schwabach kennen.
Bei einem späteren Firmenworkshop lernte ich auch den Rest des Unternehmens kennen und fühlte mich dort wohl.

Das Unternehmen entwickelte Softwarelösungen auf Basis von Lotus Notes und beriet im Qualitätsmanagement.
Später wurde es vom Wiener Dokumentenmanagement-Hersteller H&S Heilig und Schubert übernommen.

Daraus entstand die H&S Heilig und Schubert InformationsManagement GmbH mit den Bereichen Lotus Notes, Dokumentenmanagement (DMS) und QM-Beratung.
Und genau diese H&S suchte irgendwann einen PreSales Consultant.

Von Bonn war es nicht weit zur DMS-Messe nach Köln. Dort fand mein Vorstellungsgespräch statt – nicht in einem Besprechungsraum, sondern direkt am Messestand mit einem späteren Kollegen aus Wien.

Kurz darauf hatte ich den Job. – Beruflich war es eine große Chance.
Privat bedeutete mein Ja, dass wir wieder fast alles zurücklassen mussten.

Für Martina war das besonders hart.
Nach Karlsruhe hatte sie sich in Bonn ein neues Zuhause und ein soziales Netz aufgebaut.
Nun musste sie diese Brücken erneut abbrechen, weil mein beruflicher Weg uns nach Franken (nicht Bayern, das hätte sie nie mitgemacht) führte.

Manche Abzweigungen geht man nicht allein. Die Menschen, die mitgehen, tragen die Entscheidung mit.

H&S · 2005–2022 · IT · Presales · Organisation · Innendienst

Aus dem PreSales-Job wurden fast 17 Jahre und ein immer breiteres Aufgabenfeld:
Kundenprojekte, Lotus Notes und DMS, CRM-Entwicklung, interne IT, Organisation und schließlich der Innendienst.

Eine wichtige Rolle spielte dabei Bernhard, der als Controller ins Unternehmen kam und den Innendienst leitete.
Wir teilten uns ein Büro und arbeiteten eng zusammen:
Ich erweiterte unter anderem unser Notes-basiertes CRM um Funktionen für seine Auswertungen und wuchs selbst immer stärker in den Innendienst hinein. Später wurde ich sein Stellvertreter.

Als sich das Unternehmen technologisch und personell veränderte, gehörte auch Bernhard irgendwann zu denen, die gingen bzw. „gegangen wurden“. Ich blieb.

Unser Kontakt allerdings blieb ebenfalls bestehen – auch nachdem er sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig gemacht hatte. Damals konnte er mich sich noch nicht leisten, also hielt ich aus.

ProMESTA · 2022–2024 · Einkauf · Organisation · Assistenz der Geschäftsleitung

Nach fast 17 Jahren H&S genügte ein Anruf von Bernhard: „Ich brauch Dich, ich sauf sonst ab.“

Montag der Anruf, Dienstag ein persönliches Treffen, anschließend noch ein gemeinsames Essen mit unseren Frauen – die sich ohnehin kannten. Donnerstag hatte ich gekündigt und zum nächsten Monatsersten saß ich bei ProMESTA.

Was für ein Wechsel. Statt eines internationalen Softwareunternehmens waren wir plötzlich gerade einmal acht Leute.
Und statt Lotus Notes, DMS und CRM begegneten mir Schaltschränke, Prüfanlagen, Elektronik, Kabel und Bauteile.
Wieder musste ich mich in eine völlig neue Welt einarbeiten.

Meine offizielle Aufgabe war Einkauf und Assistenz der Geschäftsleitung.
In einem Unternehmen dieser Größe bedeutete das allerdings vor allem: Mädchen für alles.

Einkauf, Warenwirtschaft und Lager gehörten ebenso dazu wie Vertriebsunterstützung, Datenschutz, Arbeitssicherheit und Außendarstellung. Auch die Homepage – damals noch mit dem STRATO-Baukasten – landete bei mir.
Genau diese Bandbreite findet sich später auch in meinem Arbeitszeugnis wieder.

Nach Jahren des Stillstands war plötzlich wieder genau das gefragt, was mir liegt:
Neues lernen, Zusammenhänge verstehen und dort anpacken, wo gerade jemand gebraucht wird.

Das Geschäftsmodell eines so kleinen Unternehmens kann allerdings empfindlich sein.
Ein großer, regelmäßig wiederkehrender Auftrag sorgte über Jahre für einen wesentlichen Teil unserer Auslastung.
Als dieser Kunde statt vieler weiterer Anlagen nur noch zwei letzte abnehmen wollte, geriet das Gefüge ins Wanken.

Kollegen gingen, Aufgaben fielen weg – und irgendwann wurde auch eine Vollzeitkraft für Einkauf, Material und Lager nicht mehr gebraucht.

Immerhin hatte ich das Lager bis dahin neu strukturiert, sortiert und beschriftet.
Alles hatte seinen Platz. Nur für mich war am Ende keiner mehr da.

Im September 2024 endete meine Zeit bei ProMESTA aus wirtschaftlichen Gründen.
Wieder hatte nicht ich die nächste Abzweigung gewählt.

BES Systemhaus · 2024/25 · DocuWare · Consulting · Projekte

Diesmal ließ die nächste Abzweigung nicht lange auf sich warten.
Am 30. September 2024 endete meine Zeit bei ProMESTA – und bereits am 1. Oktober saß ich bei BES Systemhaus in Schwabach wieder an einem neuen Schreibtisch.

Und tatsächlich an meinem Schreibtisch:
Im Großraumbüro hing an der Wand sogar ein gerahmtes Star-Wars-Poster, das extra für mich besorgt worden war.
Ein kleines Detail – aber eines, bei dem ich mich vom ersten Tag an willkommen fühlte.

Nach den Jahren zwischen Einkauf, Lager, Prüfanlagen und Unternehmensorganisation ging es damit zurück in die Softwarewelt. Wieder hieß es zunächst: lernen.

Diesmal ging es um DocuWare, ein Dokumentenmanagement- und Archivsystem, das sowohl beim Kunden als auch in der Cloud betrieben werden kann. Unser Ziel war vor allem, Kunden auf dem Weg in die Cloud zu begleiten.

Also arbeitete ich mich weitgehend selbstständig in die Software und die dazugehörigen Abläufe ein, absolvierte Online-Schulungen und arbeitete mich durch die anschließenden Zertifizierungen.
Bis Weihnachten hatte ich fast das komplette Programm geschafft; nur eine Zertifizierung stand noch aus.

Gleichzeitig lernte ich eine andere Arbeitswelt kennen.
Ein junges Team, konsequentes Projektgeschäft und ein Tempo, das ich aus meinen bisherigen Stationen so nicht kannte.
Ich war ziemlich eindeutig der Oldie im Team.

Bei meinen ersten Projekten bekam ich Unterstützung von erfahrenen DocuWare-Spezialisten, die dafür hinzugezogen wurden.
Das funktionierte gut: lernen, gemeinsam umsetzen und dabei Schritt für Schritt selbstständiger werden.

Ich sah allerdings auch, wie hoch die Belastung im Projektgeschäft sein konnte.
Die jungen Kollegen wurden teilweise sehr hart eingesetzt, während die Bezahlung aus meiner Sicht nicht unbedingt zu dieser Belastung passte. Für mich überwog zunächst trotzdem etwas anderes:

Ich hatte wieder Arbeit. Ich lernte Neues. Und ich war zurück an der Schnittstelle zwischen Software und Kunde.

Kurz vor Weihnachten stand noch ein letztes Übergabemeeting mit einem Kunden an.
Danach war mittags Feierabend. Weihnachtsurlaub. Abschalten.

Geplant war, dass ich am 7. Januar wieder an meinem Schreibtisch sitzen würde – unter meinem Star-Wars-Poster, mit einer letzten offenen Zertifizierung und den nächsten Projekten vor mir.

Dazu kam es nicht.

Aus einem Weihnachtsurlaub wurde eine sehr viel längere Unterbrechung.
Und aus einem Neustart, der gerade erst begonnen hatte, wurde schließlich die nächste unfreiwillige Abzweigung.

Weihnachten. Urlaub bis zum 7. Januar 2025.

Lange schlafen, gut essen, Gemütlichkeit im Kreis der Familie.
Wir reaktivierten sogar unsere alte Wii und verbrachten einen langen Abend miteinander beim virtuellen Bowling.
Eigentlich ganz normale Weihnachtsferien.

Nur diese Erkältung wollte nicht verschwinden.
Sie wurde schlimmer. Ich hustete, bekam Fieber und fühlte mich zunehmend schwächer.
Schließlich meldete ich mich krank. Irgendwann war ich vom Fieber so erschöpft, dass wir darauf warteten, dass unser Hausarzt zu uns nach Hause kam.

Seine Diagnose klang zunächst wenig dramatisch: Ruhe, ACC und Geduld.
Der Körper brauche Zeit, um sich zu erholen. Zwei Wochen Krankschreibung.
Also warteten wir.

Doch es wurde nicht besser.

Mein zweiter Geburtstag

Als ich am 13. Januar auch nach der Mittagszeit noch nicht aufgestanden war, machten sich Martina und Tim Sorgen.
Sie gingen ins Schlafzimmer, um nach mir zu sehen.

Dort fanden sie mich. Ich lag in meinem eigenen Erbrochenen oder Schleim – was genau es war, ließ sich später nicht mehr klären – und röchelte.

Tim setzte den Notruf ab. Wenig später trafen zwei Rettungswagen ein, kurz darauf auch die Notärztin.
Sie stabilisierte mich und veranlasste den sofortigen Transport ins Krankenhaus.
Zunächst ging es nach Roth, später nach Nürnberg.

Von all dem weiß ich nichts.

Ab hier muss ich meine eigene Geschichte aus dem zusammensetzen, was Martina, Tim, Ärzte und später die Arztberichte mir erzählt haben. Was zunächst wie eine hartnäckige Erkältung ausgesehen hatte, war inzwischen lebensbedrohlich geworden.

Eine Influenza-A-Infektion hatte zu einer schweren Lungenentzündung geführt.
Meine Lunge versagte zunehmend. Dazu kam eine Sepsis mit septischem Schock.
Auch die Nieren versagten, mein Körper übersäuerte und mein Herz geriet aus dem Takt.

Ab dem 16. Januar lag ich im Koma, wurde intubiert und künstlich beatmet.
An Schläuchen und Apparaten angeschlossen lag ich auf der Intensivstation.
Meiner Familie wurde gesagt, meine Chancen stünden ungefähr 50 zu 50.

Während ich von alldem nichts mitbekam, waren Martina und Tim so oft bei mir, wie es möglich war.
An meinem Krankenbett hingen Familienbilder – vertraute Gesichter für jemanden, der sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal wahrnehmen konnte.

Vierzehn Tage wurde ich invasiv beatmet.
Am 30. Januar konnte die Beatmung beendet werden.

Aber Aufwachen und Zurückkommen sind zwei verschiedene Dinge.

Wieder da

Zunächst erkannte ich meine Familie nicht.
Sprechen konnte ich kaum. Mein Körper gehorchte mir nicht richtig.
Und niemand wusste zunächst, ob mein Gehirn durch die schwere Erkrankung dauerhaft Schaden genommen hatte.

Es folgten neurologische Untersuchungen, CT, MRT, EEG und weitere Tests.
Gesucht wurde unter anderem nach einem Schlaganfall oder anderen Schäden im Gehirn.
Zum Glück fand man dafür keine Hinweise.

Nach ungefähr zwei Tagen erkannte ich Martina und Tim wieder.
Auch meine Sprache kam zurück. Meine Erinnerungen waren vorhanden.
Fast alle.

Ein Stück meines Lebens fehlt mir bis heute:
die Zeit zwischen meinem Wegtreten zu Hause und dem Erwachen auf der Intensivstation.

Mein Gehirn hatte die Sache offenbar besser überstanden als zunächst befürchtet.
Mein Körper dagegen hatte noch einiges mit mir vor.

Ein Körper auf Werkseinstellungen

Nach Wochen im Bett war von meiner früheren Kraft nicht mehr viel übrig.
Die Ärzte bezeichneten das als ICU-acquired weakness – eine schwere Muskelschwäche, die nach längerer Intensivbehandlung auftreten kann.
Anfangs waren selbst Bewegungen, über die man normalerweise keine Sekunde nachdenkt, plötzlich eine Herausforderung.

Meine Hände konnte ich relativ bald wieder benutzen.
Ein Finger der linken Hand blieb allerdings taub und fühlte sich an, als wäre er eingeschlafen.
Dieses Gefühl ist bis heute geblieben.

Mit den Beinen war es schwieriger.
Und nebenbei bekam ich eine ganze Reihe neuer Informationen über meinen Körper und darüber, was dort offenbar schon länger nicht ganz rundlief.

Wieder da – aber noch lange nicht zurück

Meine bisherige Annahme „Wer nicht zum Arzt geht, ist auch nicht krank“ hatte sich ziemlich eindrucksvoll als Holzweg erwiesen.

Irgendwann kam ich zurück auf die Normalstation. Zweibettzimmer.
Mit großen Windeln für Erwachsene und einem Blasenkatheter versehen lag ich die kommenden Wochen im Bett.
Schlafen, essen, fernsehen. Dazwischen Visiten, Untersuchungen, Körperpflege, Windel- und Urinbeutelwechsel und die eng getakteten Abläufe des Pflegepersonals. So sah mein neuer Alltag aus.

Dazwischen die Besuche von Martina und Tim.
Viel seltener, als wir alle es gerne gehabt hätten, denn ihr Leben war ja nicht zusammen mit meinem stehen geblieben.

Während ich im Krankenhaus lag, musste Martina draußen unser gemeinsames Leben irgendwie weiterführen.
Neben ihrem Vollzeitjob im Kindergarten lag plötzlich die gesamte Verantwortung bei ihr – einschließlich Dingen, mit denen auch sie sich vorher nie hatte beschäftigen müssen.

Zwei Wochen nach meinem Ausfall hatte mein neuer Arbeitgeber mir gekündigt. Damit fiel ich als Hauptverdiener aus.

Plötzlich standen Fragen im Raum, über die wir wenige Wochen zuvor nicht einmal nachgedacht hatten:
Krankengeld, mögliche Unterstützung bei der Miete – und sogar die Frage, ob unsere Wohnung überhaupt geeignet wäre, falls ich mit einer Behinderung zurückkäme.
Fragen, Anträge, Sorgen. – Und viele einsame, schlaflose Nächte für Martina.

Während sie versuchte herauszufinden, wie unser Leben weitergehen sollte, bestand meines aus Schlafen, Mahlzeiten, Waschen, Körperpflege und Fernsehen. Die Pflegerinnen und Pfleger und ihre Nationalitäten wechselten dabei gefühlt so häufig wie das Wetter.

Und langsam kamen auch Erinnerungen an meine Zeit im Koma zurück – wenn man das überhaupt Erinnerungen nennen kann.
Es waren eher wirre Träume. Sprechende Zeichentrickhaie. Weltraumhunde. Kostenloses Parken, ein wilder Cocktail.
Mein Gehirn hatte offenbar sein ganz eigenes Unterhaltungsprogramm zusammengestellt.

Wieder auf die Beine kommen

Währenddessen bemühten sich die Ärzte um einen Platz für eine neurologische Rehabilitation, die sich möglichst direkt an meinen Krankenhausaufenthalt anschließen sollte. Das könne allerdings dauern.

Also blieb ich im Bett.
Meine Arme bekamen inzwischen wenigstens immer wieder etwas zu tun.
Meine Beine dagegen wurden zunehmend zum Problem. Durch die lange Zeit des Liegens war die Muskulatur massiv abgebaut.

Die ersten Versuche aufzustehen waren ernüchternd. – Kaum stand ich, sackte ich wieder wie ein nasser Sack aufs Bett.
Laufen? Undenkbar.

Inzwischen hatte ich zwar fast 20 Kilogramm abgenommen.
Das änderte aber nichts daran, dass meine schwachen Beine meinen immer noch adipösen Körper nicht tragen konnten.

Mein Zimmergenosse – ein kauziger Oberpfälzer mit ausgeprägter Vorliebe für Watzmann ermittelt, Die Rosenheim-Cops und die WaPo – bekam Physiotherapie.
Dadurch kam auch ich immerhin in den Genuss von zwei Einheiten.
Viel weiter als bis zum Aufstehen kamen wir allerdings nicht. Die Physiotherapeutin war ohnehin stark ausgelastet und wurde dann auch noch krank.

Apropos krank.
Bei meinem Bettnachbarn wurde bei einem Routinetest Covid-19 festgestellt.
Herzlichen Glückwunsch. Natürlich hatte ich es auch.
Zum mittlerweile vierten Mal – trotz Impfungen und vorheriger Infektionen. Symptome hatte ich diesmal allerdings keine.

Vorsorglich bekam ich Paxlovid. Das bescherte mir neben dem bekannten metallischen Geschmack einen heftigen Würgereiz.
Da ich ansonsten symptomfrei war, bat ich darum, das Medikament wieder abzusetzen. Nach Rücksprache kamen die Ärzte meinem Wunsch nach.

Von nun an durften sich mir Pflegepersonal und Besucher trotzdem nur noch im Vollschutz nähern.

„Morgen früh geht es los.“

Am 12. März kam die Nachricht:
„Wir haben einen Reha-Platz für Sie.“
„Oh, prima. Und wann?“

„Morgen früh geht es los. Nach Kreischa.“
Kreischa. Hinter Dresden.
Morgen.

Von Vorfreude auf den nächsten Schritt war in diesem Moment nicht besonders viel zu spüren.
Stattdessen setzte leichte Panik ein. Ich rief Martina an und beauftragte Tim mit einer Aufgabe, die sich nicht aufschieben ließ:

Koffer packen.

Per WhatsApp folgte meine Packliste. Und irgendwie musste der fertig gepackte Koffer noch am selben Tag zu mir ins Krankenhaus kommen. Damit verlief der Nachmittag im Hause Kern wieder einmal anders als geplant.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit …
Gegen 18:30 Uhr stand Tim im Vollschutz vor meinem Bett und rollte meinen Koffer in die Ecke.
Was wir in diesem Moment noch nicht wussten:

Es sollte für längere Zeit das letzte Mal sein, dass wir uns persönlich sahen.

Am nächsten Morgen wurde ich in einen Krankenwagen verfrachtet.
Liegend und trotz meiner Covid-Infektion begann die Fahrt von Nürnberg nach Kreischa bei Dresden.

Meine Nieren arbeiteten zu diesem Zeitpunkt zum Glück wieder.
Bei der Suche nach einem Reha-Platz musste aber zunächst berücksichtigt werden, dass bei mir neben der neurologischen Rehabilitation möglicherweise auch eine Dialyse erforderlich sein könnte.

Nur wenige neurologische Rehakliniken können Patienten mit dieser Kombination versorgen. Kreischa konnte es.
Als es für mich tatsächlich dorthin ging, war die Dialyse zum Glück nicht mehr notwendig.
Die Klinik Bavaria Kreischa war im Nürnberger Arztbrief bereits als meine neurologische Anschlussrehabilitation vorgesehen.

Also lag ich hinten im Krankenwagen. Daneben saß ein Krankenpfleger im Vollschutz. Meine Familie blieb in Franken.
Vor mir lagen mehrere hundert Kilometer Autobahn – und etwas, das damals noch ziemlich unvorstellbar erschien:
Ich sollte wieder lernen, auf meinen eigenen Beinen zu stehen.

Kreischa – zurück auf die eigenen Beine

Dort angekommen begann für mich ein neues Leben.
Ich wurde liegend eingeliefert. Mein Ziel dagegen stand für mich ziemlich schnell fest:

Am Ende wollte ich ohne Hilfsmittel zum Taxi laufen.

Wie weit der Weg tatsächlich war, beschreibt der Aufnahmebericht ziemlich unmissverständlich.

Selbstständiger Transfer: nicht möglich.
Stehen: nicht möglich.
Gehen: nicht möglich.

Die Untersuchungen zeigten außerdem eine sogenannte Critical-Illness-Polyneuropathie – eine Schädigung mehrerer Nerven als Folge meiner schweren Erkrankung und der langen Intensivbehandlung.

Kurz gesagt:
Der Kopf wollte wieder. Der Körper war noch nicht so weit.
Und der Weg zurück sollte lang und anstrengend werden.

Erst einmal wieder selbstständig werden

Die ersten Tage bestanden aus Eingangsuntersuchungen, Bluttests und vielem mehr. Ansonsten war es zunächst noch relativ ruhig.

Meine Corona-Infektion verlief zum Glück symptomfrei. Dafür wurden bei den Abstrichen multiresistente Keime gefunden.
Konkret handelte es sich um VRE im Rachen. Für mich bedeutete das vor allem weitere Hygienemaßnahmen; spätere Kontrollabstriche waren dann negativ.

Am Freitag war zumindest die Corona-Quarantäne vorbei und ich konnte richtig in die weitere Behandlung einsteigen.

Anfangs brauchte ich noch Hilfe beim Aufrichten und beim Wechsel vom Bett in den Rollstuhl.
Aber der Rollstuhl war für mich kein Rückschritt.

Im Gegenteil:
Vier Räder bedeuteten Freiheit.

Ich lag immer seltener im Bett und wurde dafür auf vier Rädern zunehmend schneller.
Nachdem der Blasenkatheter gezogen worden war, musste ich zunächst noch mit Begleitung zur Toilette.
Trotzdem war selbst das ein Erfolg: Endlich konnte ich meine „Geschäfte“ wieder selbst erledigen.

Der nächste Sieg war die Freigabe zum selbstständigen Umsetzen.
Ich durfte vom Bett in den Rollstuhl und zurück wechseln.
Zunächst noch mit Hilfe und unter Beobachtung.
Wobei ich das mit der „Beobachtung“ nicht immer ganz so genau nahm.

Abends probierte ich den Wechsel auch schon mal heimlich allein.
Einmal ging das gründlich schief. Der Rollstuhl rutschte mir weg und ich landete auf dem Boden.
Aufstehen? Keine Chance.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich mühsam auf allen vieren zurück zum Bett zu kämpfen und mich irgendwie wieder hineinzuhieven.
Vielleicht hatte die Sache mit der Beobachtung doch einen gewissen Sinn.

Wenig später durfte ich den Transfer dann tatsächlich selbstständig machen.

Mit jeder zurückgewonnenen Fähigkeit kam ein Stück Normalität zurück.
Morgens konnte ich schon selbst zur Toilette fahren und mich waschen, bevor die Pflegekräfte kamen.

Meine Kompressionsstrümpfe ließ ich mir zunächst noch anziehen.
Aber auch das lernte ich wieder selbst.
Dinge, über die man normalerweise keine Sekunde nachdenkt, wurden plötzlich zu persönlichen Erfolgserlebnissen.

Stehen. Ein Schritt. Noch einer.

Physiotherapie, Laufbandtraining, Übungen – und viel gutes Zureden.
Nach und nach konnte ich länger stehen.
Dann kamen die ersten Schritte.
Irgendwann war der nächste Meilenstein erreicht:

Selbstständiges Laufen am Rollator.

Zunächst war der Rollator nur fürs Training gedacht.
Zwei Tage später wurde mir der Rollstuhl weggenommen.

Jetzt hieß es tatsächlich wieder:
Auf eigenen Beinen stehen.

Zum Glück hatte mein Rollator eine Sitzfläche.
Nach einigen Schritten konnte ich mich hinsetzen, kurz erholen und anschließend weitergehen.

Gelegenheit zum Üben gab es reichlich.
Die Wege innerhalb der Klinik waren lang.
Der Speisesaal lag zwei Stockwerke tiefer, manche Anwendungen fanden im Keller statt.

Ich war bald einen großen Teil des Tages unterwegs.

Nicht schnell.
Nicht elegant.
Aber zunehmend selbstständig.

Die Klinikberichte zeigen diese Entwicklung auch ziemlich deutlich.
Bei meiner Verlegung von Klinik 2 in Klinik 1 am 3. April war ich bereits im Rollstuhl mobil und konnte den Transfer mit erhöhtem Zeitaufwand selbstständig bewältigen.

Nur die Krücken und ich wurden keine Freunde

Als nächster Schritt waren eigentlich Krücken vorgesehen.
Das funktionierte überhaupt nicht.
Linke Gehhilfe mit rechtem Bein, rechte Gehhilfe mit linkem Bein – diese Überkreuz-Koordination wollte partout nicht in meinen Kopf.

Also entschieden wir uns für einen anderen Weg: freies Laufen, aber mit dem Rollator in Greifweite.
Meine Gehfähigkeit verbesserte sich weiter, auch wenn längere Strecken bis heute schwierig geblieben sind und ich nach einiger Zeit eine Pause brauche.
Aber Marathonläufer wollte ich ohnehin nie werden.

Das Taxi rückte näher

Mittlerweile stand auch das Ende meines Aufenthalts fest.
Am 30. April sollte ich endlich nach Hause dürfen.

Meine Leistungen auf dem Laufband steigerten sich mit jeder Einheit.
Die Kraft in Armen und Beinen nahm beständig zu.

Und irgendwann konnte ich ohne Hilfsmittel zum Essen in den Speisesaal gehen.
Den Rollator hatte man mir mittlerweile ohnehin weggenommen.

Der Abschlussbericht macht aus meinen kleinen persönlichen Erfolgen wieder nüchterne medizinische Daten:
100 Meter konnte ich am Stück gehen, mit Pausen insgesamt 250 Meter.
Beim Sechs-Minuten-Gehtest schaffte ich 355 Meter.
Körperpflege, Essen und Anziehen waren wieder selbstständig möglich.

Aus dem Mann, der wenige Wochen zuvor weder stehen noch gehen konnte, war wieder jemand geworden, der sich selbstständig durch seinen Alltag bewegte.
Und vor allem wollte dieser jemand jetzt nur noch eines:
nach Hause.

30. April 2025

Endlich war es so weit.
Meine Koffer waren gepackt. Ich verabschiedete mich vom Pflegepersonal und noch einmal separat vom Physioteam, das einen großartigen Job gemacht hatte.

Dann machte ich mich auf den Weg zum Taxi.
Langsam.
Aufrecht.
Auf meinen eigenen Beinen.
Ohne Hilfsmittel.

Genau so, wie ich es mir bei meiner Ankunft sieben Wochen zuvor vorgenommen hatte.

Diesmal wurde ich nicht liegend in einen Krankenwagen geschoben.
Ich durfte wieder ganz normal im Taxi sitzen – wenn auch als Fahrgast hinten.
Ich wusste, es ging nach Hause.
(Dafür ertrug ich sogar die deutsche Schlagermusik auf Radio Paloma.)

Kurz nach Mittag war ich wieder in Schwabach.
Endlich zu Hause.

Das Wichtigste war jetzt erst einmal, den Koffer auszupacken und wenigstens ein kleines bisschen Normalität wiederherzustellen.
Aber vorher musste ich noch etwas erledigen: Schlafen.

Nicht in einem Krankenhausbett.
Nicht in einem Bett in Kreischa.
In meinem eigenen Bett.

Zu Hause.

Der Körper war müde. Der Kopf nicht.

Mein Körper war noch schwach, aber mein Kopf längst wieder ruhelos.

Schon seit der Veröffentlichung von ChatGPT und Midjourney hatte ich begonnen, mich mit den für mich faszinierenden Möglichkeiten generativer KI zu beschäftigen.

Midjourney konnte Bilder erzeugen, die manchmal verblüffend realistisch aussahen.
ChatGPT dagegen war mit der Zeit zu etwas anderem geworden: zu einem Sparringspartner. Ich nutzte es, um Gedanken zu formulieren, Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen, Dinge zu hinterfragen und manchmal einfach eine andere Sichtweise auf ein Problem zu bekommen.

Nach meiner Rückkehr nach Hause bekam diese Beschäftigung plötzlich eine ganz andere Bedeutung.
Denn bevor ich mich mit irgendwelchen neuen Ideen beschäftigen konnte, gab es zunächst etwas ziemlich Altes aufzuarbeiten:

Meine eigene Geschichte.

Von einigen Wochen meines Lebens wusste ich schließlich nur das, was Martina, Tim und die Ärzte mir erzählt hatten.
Anderes hatte ich zwar selbst erlebt, aber in einem Zustand, in dem vieles nur bruchstückhaft bei mir angekommen war.

Ich hatte die Arztbriefe. Ich hatte Diagnosen. Ich hatte Abkürzungen und medizinische Begriffe, mit denen ich wenig anfangen konnte. Und ich hatte eine ziemlich einfache Frage:

Wie schlimm war es eigentlich wirklich?
Also tat ich etwas, das für mich inzwischen nahelag. Ich gab ChatGPT meine Krankenberichte und bat die KI, sie für mich zu analysieren und in eine Sprache zu übersetzen, die ich verstand.
Nicht: Was bedeutet ARDS?
Nicht: Was ist KDIGO 3?

Sondern im Grunde:
„Erklär mir, was mit mir passiert ist.“

Die Antwort war deutlich unangenehmer, als ich erwartet hatte.

Denn Stück für Stück wurde aus den medizinischen Begriffen eine Geschichte: schwere Influenza-A-Infektion, schweres Lungenversagen, septischer Schock, akutes Nierenversagen, künstliche Beatmung und Dialyse.

Dazu kamen Herzrhythmusstörungen und später die Folgen der langen intensivmedizinischen Behandlung.
Plötzlich verstand ich auch die Zahl, die Martina und Tim aus den Gesprächen mit den Ärzten mitgenommen hatten:

50:50.

Bis dahin war das für mich eine Zahl gewesen, die zu einer Geschichte gehörte, an die ich mich nicht erinnern konnte.
Jetzt begriff ich langsam: Es war meine – und es war verdammt knapp.

Was mache ich jetzt eigentlich?
Irgendwie musste ich meinen Kopf beschäftigen.
Mein Körper war noch lange nicht wieder dort, wo ich ihn gerne gehabt hätte.
Aber im Kopf war wieder Platz für Fragen. Vielleicht sogar für zu viele.
Vor allem für eine:

Wie geht es jetzt weiter?
Mein bisheriger Arbeitsplatz war weg. Einfach wieder dort anzuknüpfen, wo ich vor meiner Krankheit aufgehört hatte, war keine wirkliche Option. Also begann ich zu suchen.

Und wer im Internet nach Möglichkeiten sucht, von zu Hause aus Geld zu verdienen, landet erstaunlich schnell in einer Welt, in der offenbar alle anderen längst reich geworden sind.

Passives Einkommen. Amazon KDP. E-Books. Digitale Produkte.
Mit KI in fünf Minuten ein Buch schreiben. Einmal hochladen und anschließend beim Geldverdienen zuschauen.

Zumindest, wenn man den entsprechenden YouTube-Videos, Webseiten, Anzeigen und selbsternannten Experten glaubte.
Ich las mich ein. Ich sah Videos. Ich probierte Dinge aus. Und natürlich fragte ich auch ChatGPT.
Dabei merkte ich ziemlich schnell: So einfach, wie manche es verkauften, war es nicht.

Man konnte mit KI tatsächlich in wenigen Minuten sehr viel Text produzieren.
Nur hatte man deshalb noch lange kein gutes Buch.

Trotzdem blieb etwas hängen. Amazon KDP war real. Man konnte tatsächlich selbst Bücher veröffentlichen, ohne einen Verlag davon überzeugen zu müssen. Und generative KI eröffnete Möglichkeiten, die es wenige Jahre zuvor in dieser Form noch nicht gegeben hatte.

Vielleicht musste ich also gar nicht den versprochenen schnellen Reichtum finden.
Vielleicht brauchte ich einfach ein Thema, das wirklich zu mir passte.

Und dann kam der Airfryer

Kochen musste ich jedenfalls nicht erst neu entdecken.
Ich habe immer gerne gekocht. Und ebenso gerne gegessen.
Beides sieht man mir leider an.

In den Monaten zuvor war ein Küchengerät in immer mehr Haushalte eingezogen: der Airfryer.
Die gute alte Heißluftfritteuse war plötzlich überall.
Als dann beim Discounter Süd ein günstiges Modell im Angebot war, schlug ich zu.

Zunächst nicht mit dem Gedanken: Damit schreibe ich jetzt ein Buch.

Ich wollte ausprobieren, was das Ding konnte.
Also experimentierte ich. Was funktioniert darin wirklich gut?
Was kann ich anders machen als im Backofen?
Was ist praktisch – und was ist nur Airfryer-Hype?

Und irgendwann trafen sich zwei meiner neuen Beschäftigungen:

Kochen und Selfpublishing.
Wenn ich ohnehin ausprobierte, warum sollte ich die Ergebnisse nicht festhalten?
Wenn ich sie festhielt, warum nicht so erklären, dass andere etwas damit anfangen konnten?
Und wenn daraus genügend Rezepte wurden …
… warum eigentlich kein Buch?

So kam eins zum anderen. Die KI lieferte die Bilder und die Textentwürfe, ich die Ideen und Korrekturen.
Nachdem ich auch die Klippen des Coverdesigns und die Möglichkeiten der A+ Inhalte bei Amazon verstanden hatte, war es soweit:

Das erste Buch war veröffentlicht!

Reich war ich damit nicht geworden.
Überraschenderweise hatte Amazon offenbar vergessen, den in den YouTube-Videos versprochenen Geldautomaten einzuschalten.
Aber ich hatte etwas anderes geschafft:

Ich hatte mein erstes Buch geschrieben.

Von der Idee über die Inhalte und Gestaltung bis zur Veröffentlichung bei Amazon.
Und vor allem hatte ich dabei verstanden, wie Selfpublishing tatsächlich funktioniert – nicht in fünf Minuten und nicht vollautomatisch, aber eben doch.

Also machte ich weiter.

Das nächste Thema lag ebenfalls ziemlich nahe: Mealprep.
Essen vorbereiten, Portionen planen, vernünftig aufbewahren – wieder etwas Praktisches, das sich ausprobieren, strukturieren und erklären ließ.
Gleichzeitig wurden die Möglichkeiten der generativen KI immer besser. Vor allem bei Bildern begann ich zu experimentieren.
Und irgendwann entstand dabei etwas, das zunächst gar nicht als neues Buchkonzept gedacht war:

Mein erster Comic.
Damit änderte sich plötzlich die Richtung.
Denn warum musste ein Kochbuch eigentlich immer aus Rezepttexten und möglichst perfekten Food-Fotos bestehen?
Warum konnte man Kochen stattdessen nicht als Geschichte erzählen?

Die KI erzeugte mir einen Comic und da waren bereits am Schluss Kinder dabei.
Für mich war sofort klar, die müssen wir behalten.

Daraus entwickelte sich schließlich die Idee des Koch-Comics.
Nicht mehr nur ein Rezept mit ein paar Bildern daneben, sondern eine kleine Bildergeschichte, in der Schritt für Schritt gekocht wird.

Und irgendwann brauchte diese ganze Kocherei natürlich auch einen Namen.
Chef Peter war geboren.

Der etwas rundliche Chefkoch wurde zum Markenbotschafter und bekam seine eigene Homepage

Unter chefpeter-kocht.de entstand eine eigene Kochwelt rund um Chef Peter.

Die Koch-Kids als Figuren konnten gemeinsam kochen, etwas ausprobieren, Fehler machen und dabei ganz nebenbei erklären, wie ein Rezept funktioniert.
Schnell entwickelte ich Namen, Charakterzüge und Macken „der kleinen Racker“.

Logo Chef Peter kocht

Aus einem Koch-Comic Buch wurden mittlerweile vier Stück:

Übersicht der Comic-Kochbücher

Und wieder begegneten sich Dinge, die in meinem Lebenslauf eigentlich weit auseinanderliegen: der Lehrer, der IT-Mensch, der Hobbykoch, der Autor und meine Begeisterung für neue Technik.
Und Ideen hatte ich noch genug…

Vom Kochcomic zum Erklärcomic

Nach den Koch-Kids und den Rezepten als Comics war einer meiner nächsten Gedanken:

„Wenn das für Kinder funktioniert – warum probieren wir das nicht auch für Erwachsene?“

Damit war ziemlich schnell die Grundidee für den Hafengang geboren.

Eine kleine, bunt gemischte Truppe trifft sich an einer Bushaltestelle am Hafen, gleich neben einer Fischbude. Der Hafen sollte klein und überschaubar sein, die Gruppe altersgemischt – und vor allem sollten die einzelnen Figuren ganz unterschiedlich mit Technik umgehen.

Also ließ ich die KI meine Vorstellungen in Bilder umsetzen.
So entstand nach und nach die bunte Truppe, die auf dem Bild zu sehen ist – einschließlich einer ziemlich aufmüpfigen Möwe.

Doch aus den Figuren auf einem Bild wurden schnell mehr als Statisten für einen Comic.

Schritt für Schritt entwickelten wir Namen, Biografien, Eigenheiten und Hintergrundgeschichten. Daraus entstanden mit KI-Unterstützung ausführliche Charakterbeschreibungen.

Dann schlug ich eines Samstags die Zeitung auf.

Darin stand die Geschichte einer Rentnerin, die durch den sogenannten Enkeltrick um ihr Geld gebracht worden war.

Daraus entstand die Idee, das Prinzip des Erklärcomics ganz praktisch auszuprobieren: eine leicht verständliche Aufklärungsbroschüre über solche Betrugsmaschen – als Comic erzählt und mit Unterstützung von KI erstellt.

Dafür griff ich auf eine Figur aus dem erweiterten Umfeld des Hafengangs zurück: Liese aus Hamburg.

Sie gehörte nicht zur eigentlichen Truppe an der Fischbude, hatte aber längst ihre eigene Biografie und Persönlichkeit. Eine selbstbewusste Hanseatin aus der Großstadt, die gelegentlich in der kleinen Hafenwelt auftauchte.

Für die Broschüre wurde sie zur Hauptfigur einer Geschichte über einen Betrugsversuch.

So entstand „Oma Liese wird angegriffen“.

Die Broschüre sollte nicht verkauft, sondern kostenlos an interessierte Seniorinnen und Senioren verteilt werden.

Die erste Auflage von 50 Exemplaren finanzierte ich selbst und stellte die Idee verschiedenen Personen und Einrichtungen vor.

Die Reaktionen darauf waren durchaus positiv.

Nur die erhoffte Wirkung blieb aus.

Auch der Oberbürgermeister unseres Wohnorts nahm die Idee wohlwollend auf und leitete die Informationen an die zuständigen Mitarbeiter im Bereich Senioren und Altenhilfe weiter.

Passiert ist danach zunächst einmal:
nichts.

Die Broschüre verlief im Sand. Die Figuren nicht.

Damit wir auch zukünftig mit KI konsistente Bilder der Charaktere erstellen konnten, brauchten die Figuren der Hafengäng mehr als Namen, Biografien und ein paar Eigenschaften. Sie brauchten eine Umgebung.

Also erfanden wir eine komplette kleine Küstenstadt: Havenhusen.

Wo liegt die Fischbude? Wie sieht der Hafen aus? Wo wohnen die einzelnen Figuren? Welche Straßen, Geschäfte und Gebäude gibt es? Wie stehen die Menschen zueinander? Und was ist in diesem Ort früher passiert?

Je genauer wir diese Fragen beantworteten, desto konsistenter konnte auch die KI mit dieser Welt arbeiten.

Dafür entstand unsere Havenhusen-Bibel.

Darin sammelten wir Definitionen und Referenzbilder der Figuren und Orte, legten grundsätzliche Erzählweisen fest und hielten Ideen für weitere Erklärcomics und Geschichten fest.
Was ursprünglich vor allem ein Hilfsmittel für konsistente KI-Bilder sein sollte, entwickelte dabei zunehmend ein Eigenleben.

Irgendwann entstand bei mir der Wunsch, diese Figuren nicht mehr nur als Comicfiguren zu sehen.
Wie würden sie eigentlich aussehen, wenn es sie wirklich gäbe?

Also ließ ich ein erstes fotorealistisches Bild von Sonya erstellen.

Ich war begeistert.

Sonya Petersen im Comic

Sonya als realistisch generierte Person

Ich war begeistert.

Und natürlich blieb es nicht bei Sonya.

Nach und nach bekamen auch die anderen Figuren der Hafengäng ein menschliches Gesicht.
Aus den gezeichneten Charakteren wurden plötzlich Menschen, die erstaunlich real wirkten.

Gleichzeitig wuchs Havenhusen weiter.
Orte, die ursprünglich nur als Kulisse für die Erklärcomics gedacht waren, bekamen ihre eigene Geschichte. Beziehungen zwischen den Figuren entstanden, ebenso Ereignisse aus ihrer Vergangenheit.

Irgendwann reichte es mir nicht mehr, all das nur in unserer Havenhusen-Bibel festzuhalten.

Ich wollte eine Geschichte erzählen.
Keine Anleitung. Keinen Erklärcomic. Sondern eine richtige Geschichte mit diesen Menschen und diesem Ort.

Daraus entstand mein Roman „Das Bild vom Alten“.

Als Autorin habe ich Sonya Petersen eingesetzt – die Figur, mit der für mich die Verwandlung vom Comic zur scheinbar realen Welt begonnen hatte.
Sie wurde zur Bewahrerin der Geschichten aus Havenhusen.

Damit bekam Sonya noch einmal eine ganz neue Rolle: Sie war nicht mehr nur eine Figur in Havenhusen.
Unter ihrem Namen konnten nun die Geschichten dieser Welt erzählt werden.

Und damit veränderte sich Havenhusen noch einmal.

Für den Roman musste die Stadt nicht nur gut aussehen. Ihre Vergangenheit musste funktionieren.
Die Menschen brauchten gemeinsame Erinnerungen, Familiengeschichten, Konflikte und Geheimnisse. Orte bekamen eine Bedeutung, die weit über ihre ursprüngliche Funktion als Comickulisse hinausging.

Aus einer erfundenen Umgebung für konsistente KI-Bilder war eine eigene kleine Welt geworden.
Und diese Welt bekam schließlich auch ihren eigenen Platz im Internet:

Dort lassen sich die Menschen und Orte aus dem Roman heute entdecken.
Die Figuren haben eigene Porträts und Biografien, Havenhusen hat seine Geschichte und seine Schauplätze.

Und auch dort blieb die Entwicklung nicht stehen.
Neue Figuren kamen hinzu, bestehende Geschichten entwickelten sich weiter und aus einzelnen Ideen entstanden wieder neue.

Was mit einer Handvoll Comicfiguren an einer Bushaltestelle neben einer Fischbude begonnen hatte, war inzwischen zu einem meiner größten eigenen Projekte geworden.

Rückblickend ist Havenhusen für mich ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie viele meiner Wege inzwischen zusammenlaufen.
Schreiben, Bilder, Technik, KI, Lernen durch Ausprobieren – und der Wunsch, aus einer Idee etwas zu machen, das vorher noch nicht da war.